Das Bild zeigt eine Probensituation mit Restlicht
(Ausschnitt aus dem Programmheft)
Christian MayerDu bist Performancekünstlerin und arbeitest auch immer wieder im Theater. Erzählst Du uns etwas von Deiner Arbeit und vom Zugang zum Raum?
Penelope Wehrli Ich würde mich heute nicht mehr als Performancekünstlerin bezeichnen. Schon in den 90er Jahren habe ich die Dinge nurmehr in Bewegung gesetzt und sie ihrer Eigendynamik überlassen. Ab 2000 habe ich zunehmend die Zuschauer in Bewegung gesetzt, zusätzlich zur Bewegung der Elemente im Raum, weil mich die Wahrnehmung des Einzelnen und subtilere Wahrnehmungsverschiebungen interessiert haben. Wie sich diese Erfahrungsmöglichkeiten vom offenen performativen Raum in den klassischen Theaterraum mit seiner Trennung von Bühne und Zuschauerraum übersetzen lassen, beschäftigt mich prinzipiell.
Aber die Bezeichnung „Performancekünstlerin“ verweist darauf, woher ich die Impulse für meine Arbeit mit Räumen nehme. Ich denke sie immer von innen und aus der Aktion heraus. Es sind transitorische Räume und Zeit ist ein wesentlicher Bestandteil darin. Sie sind entweder selbst in Bewegung, oder sie evozieren Bewegungen, äußere oder innere Bewegungen.
Für Gegenwart der Erinnerung arbeiten wir zuerst mit dem Raum der leeren Bühne und mit dem was in ihm spezifisch vorhandenen ist. Aber dieser Raum ist ein Zwischenraum. Das Fest findet außerhalb der Bühne statt, hinter dem Bühnentor des Theaters. Was dort draussen passiert, lassen wir mehr erahnen, als sehen. Via Orchestergraben transportieren wir das, was für dieses Fest gebraucht wird, auf die Bühne. Der leere Zwischenraum füllt sich an mit Gegenständen, aber vor allem mit Sprache, um im Lauf des Abends zur Membran und zu einem Vakuum zu werden - wie die Figuren in diesem Stück -, und zu verschwinden. Oder vielleicht sogar verschluckt zu werden.