AUSGEWÄHLTE PRESSESTIMMEN Der Hinter zuckt, das Fagott knurrt, Doris Meierhenrich, Berliner Zeitung, 10.2.2017 Es gibt Abende, die schaffen es, Zeit und Raum zu verwandeln und Gedanken in Körper, Körper in Klänge, Klänge in Bewegungen und alles in eine syntaktische Form, aus der sich schliesslich ein ganzes Drama schält, das – ohne ein Wort – von Zwang und Selbstbestimmung erzählen kann. (…) Ein multidisziplinäres Spiel, das Drama, Experiment, elektronischer Schaltraum, Tanz- und Hörstück zugleich ist. Eine Versuchsanordnung im offenen Theater-Labor. (…) Tänzer und Musiker sehen einander nicht. Ihr Gespräch ist ein klangfremdes Suchen. Für die Mitsuchenden drei findungsreiche Stunden. Blinddate mit Sensor, Charlotte Riggert, tanzraumberlin, 10.2.2017 (…) Muybridges und Mareys Bewegungsuntersuchungen der 1870/80er als grafische Notationen von Bewegung dienen in dem Projekt um Penelope Wehrli als Ausgangspunkt für die Entwicklung dieses Interfaces. (…)
Die Komplexität der Performance speist sich nicht zuletzt aus diesem theoretischen Hintergrund und der technischen Expertise, mit der die Musiker*innen die fragmentarische Notation der Bewegungsdaten vervollständigen. Die Bewegungsdaten der Tänzer*innen, übertragen durch einen kleinen Sensor und nur minimal aufgezeichnet, sind Impuls für einen Dialog zwischen Tanz, Musik und Komposition, sodass jede Aufführung einzigartig bleibt und zur Edition wird. Indem das Sehen als Wahrnehmungskategorie für Tänzer*innen und Musiker*innen nicht zur Verfügung steht, wird das Hören für Dieter Baumann und Jutta Hell zu einem Parameter, der eine andersartige choreografische Praxis impliziert. Und genau hier liegt die Faszination, die auch nach mehreren Stunden noch vorherrscht im Publikum: Nicht das genaue Verstehen des Interfaces und aller technischen Verfahrensweisen macht den Reiz dieser Performance aus, sondern das Wahrnehmungsexperiment, das dieser Abend bereithält. Durchaus unerwartet ist diese Interaktion von Bewegungen und Klängen, die so anders ist als die tänzerische Bewegung mit Musik. >(…) Diese Performance ist live sichtbare Forschung! Magische Maschinen, David Rittershaus, FAZ, 25. Juni 2018 (…) Der Versuch, die unsichtbare Verbindung zwischen Tänzern und Musikern zu erkennen und zu verstehen, führt in diesem Fall dazu, dass man sehr genau hinsieht und hinhört. Das gilt auch für die Tänzer und Musiker. So entsteht an diesem Abend eine starke Konzentration auf allen Seiten. Wer sich auf den fast wissenschaftlichen Blick einlässt, wird von dieser Konzentration gefesselt. (…) In ihrer Installation verbindet Wehrli die Räumlichkeit von Bewegung und Musik geschickt auf verschiedenen Ebenen. Sich diese zu erschliessen bleibt die Aufgabe des Zuschauers. Meditation mit Sensoren, Tom Mustroph, TdZ , November 2018 Das Projekt „Eadweard’s Ear“ von Penelope Wehrli in der Akademie der Künste ist ein akustisch-anatomisch-performatives Wahrnehmungs-experiment. (…) Ein Reiz für das Publikum ist es, diese Kommunikation zu entschlüsseln, also die Bewegungsmuster zu identifizieren, die zu bestimmten Klängen führen. Vertieft in die Enträtselungsarbeit, lässt man sich alsbald von der ästhetischen Qualität der Klänge und Bewegungen einfangen. Man nimmt Tanz als Tanz und Ton als Ton wahr – und gelangt dann wieder ins Verwirrspiel der Kausalitäten. (…) Penelope Wehrli und ihrem Team ist ein erster Schritt in ein ganz neues künstlerisches Feld gelungen.